Spam-SMS und Paket-SMS erkennen
„Ihr Paket konnte nicht zugestellt werden“, „Ihre photoTAN läuft heute ab“, „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“: Solche Nachrichten sind in Deutschland der häufigste Grund, sich bei der Bundesnetzagentur zu beschweren. 2025 gingen dort 28.036 Beschwerden über SMS- und Messenger-Spam ein, ein Drittel aller Beschwerden zu Rufnummernmissbrauch. Hier lesen Sie, welche Maschen gerade laufen, woran Sie eine gefälschte Nachricht erkennen und was zu tun ist, wenn Sie den Link schon angetippt haben.
Was die Maßnahmenliste der Bundesnetzagentur zeigt
Wir spiegeln die Maßnahmenliste der Bundesnetzagentur. Seit 2. Februar 2026 hat die Behörde dort 361 Entscheidungen veröffentlicht; 175 davon (48 %) betreffen Spam-SMS, Spam über Messenger oder SMS mit Zahlungsaufforderung. Sie richten sich gegen 1.109 Rufnummern, und 90 % davon sind Handynummern. Keine andere Kategorie führt zu so vielen Abschaltungen.
Abschalten ist dabei das wichtigste Mittel. Ein Bußgeld kann die Bundesnetzagentur für unerwünschte SMS oder Messenger-Nachrichten nicht verhängen, das sieht das Gesetz nicht vor. Sie kann aber die Nummer abschalten lassen, über die die Nachrichten verschickt werden oder die darin beworben wird; zwischen Bescheid und Abschaltung liegen nach der Liste meist 7 Tage.
Die Maschen, die gerade laufen
Die Paket-SMS
Ein Paket hänge im Verteilzentrum, die Hausnummer fehle, eine Zollgebühr von 1,99 Euro sei offen. Die Verbraucherzentralen sammeln Dutzende solcher Texte, oft mit Tippfehlern und fehlenden Umlauten („zuruckgesendet“, „Bestatigen Sie“). Die erste große Welle kam zu Ostern 2021; damals verbreiteten die Links nach Angaben des BSI die Android-Schadsoftware „FluBot“ und „TeaBot“. Heute führen sie meist auf Seiten, die Kreditkartendaten abfragen, oder zu Abofallen. Dazu eine Tatsache, die fast jede dieser SMS entlarvt: Einfuhrabgaben kassiert der Paketdienst nach Angaben des Zolls bei der Zustellung. Wer vorab per SMS oder E-Mail über Zollgebühren informiert werden will, muss sich dafür beim Paketdienst registriert haben, und die Nachricht enthält dann immer Sendungsnummer und Absender.
Die Bank-SMS
Das Sicherheitsverfahren laufe ab, das Konto sei eingeschränkt, eine neue Sicherheits-App müsse installiert werden. Die Links sehen auf den ersten Blick nach der Adresse der Bank aus, enthalten aber Zusätze wie „-sicher“, „-update“ oder eine fremde Endung. Keine Bank verlangt per SMS, dass Sie über einen Link Ihre Zugangsdaten eingeben oder eine App installieren.
„Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“
Die schriftliche Form des Enkeltricks läuft meist über Messenger wie WhatsApp. Erst kommt die neue Nummer, dann eine dringende Rechnung, die heute noch bezahlt werden muss. Rund 6.500 Beschwerden dazu zählte die Bundesnetzagentur 2025, weniger als in den Vorjahren, weil die Masche inzwischen bekannt ist. Bevor Sie Geld überweisen, rufen Sie Ihr Kind unter der alten, gespeicherten Nummer an. Wie dieselben Täter am Telefon vorgehen, steht im Ratgeber Schockanrufe und falsche Polizisten.
Weitere Varianten
Eine angeblich neue Sprachnachricht auf der Mailbox, eine Drittanbietersperre, die angeblich aufgehoben werden muss, ein Gerichtsvollzieher, der wegen einer offenen Rechnung pfänden will, oder eine Nachricht vom Finanzamt. Die Geschichte wechselt, das Ziel bleibt: Sie sollen auf einen Link tippen oder eine Nummer anrufen.
Woran Sie eine gefälschte SMS erkennen
- Sie erwarten gar kein Paket oder haben nichts bestellt.
- Die Nachricht setzt eine Frist („innerhalb von 12 Stunden“) oder droht mit Folgen.
- Sie sollen persönliche Daten, Kartendaten oder eine kleine Gebühr eingeben.
- Der Text hat Fehler, fehlende Umlaute oder seltsame Zeichenfolgen.
- Der Link ist verkürzt, ungewöhnlich lang oder endet nicht auf die bekannte Adresse des Unternehmens.
- Die Absendernummer ist eine ausländische oder eine gewöhnliche Handynummer statt eines Firmennamens.
- Eine Sendungsnummer fehlt oder sieht erfunden aus.
Umgekehrt beweist ein Firmenname als Absender nichts. Auch er lässt sich fälschen: Die Verbraucherzentrale dokumentiert Bank-SMS, bei denen statt einer Nummer der Name der Bank als Absender erschien.
Richtig reagieren
Tippen Sie den Link nicht an und antworten Sie nicht, auch nicht mit „STOP“. Jede Reaktion zeigt den Absendern, dass Ihre Nummer genutzt wird. Löschen Sie die Nachricht. Sperren können Sie den Absender, ein dauerhafter Schutz ist das aber nicht, weil die Nummern ständig wechseln. Wirksamer ist bei vielen Nachrichten-Apps die Einstellung, nur noch SMS von gespeicherten Kontakten anzuzeigen; dann sollten Sie die Nummern für Terminerinnerungen oder Bank-Nachrichten speichern. Erwarten Sie eine Sendung, prüfen Sie den Status in der App des Paketdienstes und nicht über den Link.
Wenn Sie den Link schon angetippt haben
Seite geöffnet, aber nichts eingegeben
Schließen Sie die Seite und stimmen Sie keiner Installation zu. Wenn Sie nichts eingegeben und nichts installiert haben, ist in aller Regel nichts passiert.
Daten oder Kartendaten eingegeben
Rufen Sie sofort Ihre Bank an oder lassen Sie die Karte über den Sperr-Notruf 116 116 sperren. Ändern Sie das Passwort, das Sie eingegeben haben, auch bei anderen Diensten, falls Sie es mehrfach nutzen. Beobachten Sie die Abbuchungen; zu Unrecht belastete Kartenzahlungen lassen sich unter Umständen über ein Rückbuchungsverfahren (Chargeback) Ihrer Bank zurückholen.
Eine App installiert
- Schalten Sie das Handy in den Flugmodus, damit die App keine Daten mehr senden kann.
- Sichern Sie Beweise, zum Beispiel Bildschirmfotos der SMS und der Seite, und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.
- Starten Sie das Handy im abgesicherten Modus neu und deinstallieren Sie unbekannte, kürzlich installierte Apps. Hilft das nicht, setzen Sie das Gerät auf die Werkseinstellungen zurück.
- Informieren Sie Ihren Mobilfunkanbieter. Hat die App massenhaft SMS verschickt und verlangt der Anbieter die Kosten, legen Sie eine Kopie der Anzeige vor. Bleibt er dabei, wenden Sie sich an die Bundesnetzagentur.
Vorbeugen
Lassen Sie bei Ihrem Mobilfunkanbieter eine Drittanbietersperre einrichten. Sie verhindert, dass über die Handyrechnung Abos und Käufe abgerechnet werden, die Sie nie bewusst abgeschlossen haben. Auf Android-Handys sollte die Einstellung „Unbekannte Apps installieren“ für alle Apps ausgeschaltet sein, damit eine Seite im Browser keine Anwendung nachladen kann. Halten Sie Betriebssystem und Apps aktuell und geben Sie Ihre Handynummer nur dort an, wo sie wirklich gebraucht wird, also nicht bei Gewinnspielen in sozialen Netzwerken.
Spam-SMS melden
Die Bundesnetzagentur hat für unverlangte SMS und Messenger-Nachrichten ein eigenes Beschwerdeformular. Sie braucht Datum und Uhrzeit, die Absendernummer, den vollständigen Text oder ein Bildschirmfoto der Nachricht und die Angabe, ob Sie dem Absender je erlaubt haben, Ihnen zu schreiben. Je vollständiger die Angaben, desto eher kann die Behörde die Nummer abschalten lassen. Wie das Verfahren abläuft, erklärt der Ratgeber Beschwerde bei der Bundesnetzagentur.
Die Verbraucherzentrale NRW wertet gefälschte Nachrichten für ihr Phishing-Radar aus und nimmt Bildschirmfotos verdächtiger SMS unter phishing@verbraucherzentrale.nrw entgegen. Ist Ihnen ein Schaden entstanden, gehört der Fall außerdem zur Polizei; die Anzeige können Sie auch über die Onlinewache Ihres Bundeslandes erstatten.
In welchen Nummernblöcken die abgeschalteten Absender lagen
Die Bundesnetzagentur teilt Handynummern in Blöcken an Mobilfunkanbieter zu. Ordnet man die wegen SMS- und Messenger-Spam abgeschalteten Nummern diesen Blöcken zu, ergibt sich folgendes Bild:
| Vorwahl | Zugeteilt an | Abgeschaltete Nummern (SMS/Messenger) |
|---|---|---|
| 0163 | Telefónica Germany GmbH & Co. OHG | 88 |
| 01522 | Vodafone GmbH | 84 |
| 015562 | 1&1 Mobilfunk GmbH | 77 |
| 015569 | 1&1 Mobilfunk GmbH | 71 |
| 0176 | Telefónica Germany GmbH & Co. OHG | 62 |
| 015568 | 1&1 Mobilfunk GmbH | 59 |
Quelle: Maßnahmenliste der Bundesnetzagentur seit 2. Februar 2026, eigene Zuordnung zu den zugeteilten Rufnummernblöcken. Der Block sagt, welchem Anbieter die Nummer ursprünglich zugeteilt wurde, nicht, wer die SMS verschickt hat.
3 dieser 6 Blöcke haben eine sechsstellige Vorwahl. Solche Blöcke vergibt die Bundesnetzagentur seit 2013, und jeder umfasst nur eine Million Rufnummern, ein Zehntel eines älteren 015x-Blocks. Gemessen an ihrer Größe tauchen sie bei den Abschaltungen also besonders oft auf. Was hinter den einzelnen Vorwahlen steckt, steht im Ratgeber Handyvorwahlen: Welches Netz ist das?
In den Meldungen auf dieser Seite spielen SMS eine kleinere Rolle: Nur 10 der 432 freigegebenen Berichte erwähnen eine SMS oder einen Messenger. Wer hier eine Nummer nachschlägt, wurde meist angerufen. Die aktuell meistgemeldeten Nummern zeigt das Spam-Barometer.
Quellen
- Bundesnetzagentur: Jahresbericht Telekommunikation 2025 (Beschwerdezahlen, Phishing, Enkeltrick)
- Bundesnetzagentur: SMS- und Messenger-Spam-Varianten (Maßnahmen, keine Bußgelder)
- Bundesnetzagentur: Maßnahmenliste
- Verbraucherzentrale: Paketdienst-SMS, Vorsicht Abzocke (Beispiele, Zoll, Schritte nach einer Installation)
- Verbraucherzentrale: Fake-SMS zu Online-Banking, Steuerbescheiden und Gerichtsverfahren
- BSI: Smishing, Betrug per SMS
- Polizei Sachsen: Gefälschte Paketbenachrichtigungen erkennen
Weiterlesen: Unbekannte Nummern blockieren · Maßnahmen der Bundesnetzagentur erklärt · BNetzA-Warnliste
Häufige Fragen
Woher kennt der Absender meinen Namen?
Meist aus gehackten Datenbanken, aus dem Adresshandel oder aus den Kontaktlisten anderer Handys, die eine Schad-App ausgelesen hat. Die Nachrichten werden mit Platzhaltern verschickt, in die Vor- und Nachname automatisch eingesetzt werden. Eine persönliche Anrede heißt also nicht, dass der Absender Sie kennt.
Soll ich mit STOP antworten, damit keine SMS mehr kommen?
Nein. Bei betrügerischen SMS zeigt jede Antwort nur, dass Ihre Nummer aktiv genutzt wird. Löschen Sie die Nachricht und sperren Sie den Absender.
Ich erwarte wirklich ein Paket. Wie prüfe ich die Nachricht?
Öffnen Sie die App oder die Internetseite des Paketdienstes selbst und geben Sie dort die Sendungsnummer aus Ihrer Bestellbestätigung ein. Zollgebühren zahlen Sie in der Regel bei der Zustellung, nicht vorab über einen Link.